Das Open Cloud Manifesto regt eine wichtige Diskussion an
open cloud manifesto screenshotUnter der Bezeichnung "open cloud manifesto" haben gegen 40 Unternehmen aus der IT-Welt ein Dokument mit Prinzipen, denen die Cloud Computing Branche folgen solle, in Umlauf gebracht. Diese Grundsätze sind sehr allgemein gehalten und beinhalten vor allem die Forderung nach offenen Systemen und Interoperabilität.
Was als erstes auffällt: Die wichtigsten drei Anbieter von Cloud Computing Services, Amazon, Salesforce und Google aber auch Zoho oder Microsoft gehören nicht zu den Erstunterzeichnern dieses Manifests. Dafür SAP, die sich bis jetzt eher als Bremser denn als Treiber des Cloud Computing Paradigmas hervorgetan hat. Daneben sind einige kleinere aber in der Cloud Computing Szene bekanntere Namen wie Longjump oder Boomi mit dabei.
Startschuss für Diskussion
Natürlich kann man den Initianten vorwerfen, dass sie ohne wenigensten einen der A-Clouder dabei zu haben, nicht hätten starten sollen. Es kann auch sein, dass die Zeit für die Diskussion vor der Veröffentlichung, wie Microsoft mitteilt, zu kurz war. Allerdings ist es in der Beta Welt des Webs auch kein Problem, etwas unfertiges in die Welt zu setzen und die Weiterentwicklung in der Cloud laufen zu lassen. Gemäss den Initatoren des Manifests soll es genau so sein.
"This document is meant to begin the conversation, not define it." (open cloud manifesto, page 6)
Will heissen, es können jederzeit weitere Anbieter dazu stossen und Ihre Inputs in die Diskussion einbringen.
Es ist natürlich nicht ausgeschlossen, dass diese Initiative genauso schnell wieder in den Tiefen des Datenuniversums verschinden wird, wie es aufgetaucht ist. Oder, dass sich die Geschichte als Marketingmasche, ein paar ewiggestriger Web Einsnuller erweissen wird. Wir werden sehen.
Grundsätzlich ist es aber zu Begrüssen, dass im Bezug auf das Cloud Computing Paradigma über Interoperabilität und offene Systeme eine breite Diskussion angeregt wird. Es ist wichtig, dass wir am Ende dieser Entwicklung nicht einfach nur eine Handvoll Unternehmen sehen, die sich den Betrieb der Cloud Computing Infrastruktur aufteilen.
Lock-in ist in der Cloud derzeit noch kein Problem
Das Problem des "lock-in" ist allerdings so alt, wie die Computerbranche selbst (siehe dazu auch den guten Business Week Artikel zum open cloud manifesto). Waren es am Anfang des Computerzeitalters noch technische Hürden, da jedes System eigene Datenformate und Schnittstellen verwendete, wurden es später vor allem finanzielle Hindernisse, die den Kunden vom Systemwechsel abhieten. Die Investitionskosten für die Einführung eines neuen ERP oder CRM Systems sind bei klassischen inhouse (on premise) Produkten von SAP oder Oracle in der Regel so hoch, dass man das System ob man will oder nicht, über viele Jahre nutzen muss.
Diese Problematik stellt sich gerade bei den SaaS Angeboten in der Cloud nicht. Die Investition in die Infrastruktur entfällt vollständig. Wenn man nach einem Jahr merkt, dass es doch nicht das richtige Produkt war, auf das man gesetzt hat, wechselt man halt zum Nächsten. Natürlich auch nicht ohne Kosten und interne Reibungsverluste, diese sind aber doch um ein Vielfaches tiefer.
Der Markt zwingt (noch) zur Offenheit
Weil die Kunden gerade in diese Möglichkeiten Vorteile sehen, und für die Cloud Angebote im Allgemeinen noch viel Überzeugungsarbeit geleistet werden muss, sind die Anbieter dazu gezwungen, Daten und Schnittstellen den bestehenden offenen Standards anzupassen.
Wenn wir die Anbieter, die mit Ihren Lösungen derzeit Geld verdienen, betrachten, so vefügen diese ohne Ausnahme, über ausführlich Dokumentierte API's sowie Import/Export Schnittstellen in alle üblichen Datenformate. Der Markt führt hier, mindestens im Moment noch dazu, dass die Anbieter, Standards die als solche bezeichnet werden könne, auch sehr schnell übernehmen.
Die Frage ist, ob das so bleiben wird.
Natürlich kann gerade der Umstand dass die Cloud Anbieter, die in der Pole Position sind, dieses Manifest nicht unterstützen, bedeuten, dass diese davon ausgehen dereinst den Markt beherrschen zu können. Und wenn das wirklich eintreffen würde, wird es spätestens dann um die offenen Schnittstellen geschehen sein.
Eine Diskussion über die Zukunft der Cloud, und wie sie organisiert sein soll, anzuregen, ist auf jeden Fall richtig und das "open cloud manifesto" ist vor allem aus diesem Grund zu begrüssen. Es ist wichtig, dass die Cloud von möglichst vielen Anbietern bevölkert wird und dass der Wettbewerb die treibende Organisationskraft bleibt.
Welche Massnahmen getroffen werden müssen, falls es sich abzeichnet, dass die Markt- und Regulationskräfte zu einer Oligopolsituation führen, können wir uns nicht früh genug überlegen.
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