Es gibt in der Welt der Software as a Service Anbieter, zwei grundverschiedene konzeptionelle Lager. Die eine Seite bietet Ihre Produkte nur on demand an, man kann diese also nicht downloaden und bei sich installieren, sondern eben nur als Service beziehen. Salesforce.com, Google Apps, BasecampHQ, eigentlich alle erfolgreichen SaaS Anbieter arbeiten nach diesem 'reinen' Model. Ich habe in diesem Artikel hier bereits beschrieben, warum es SaaS Produkte nicht zum download gibt.
Im anderen Lager sind diejenigen, die aus dem klassichen on-premise Software Geschäft kommen, und aufgrund der zunehmenden Bedeutung von SaaS, meistens wiederwillig, Ihren bestehenden Produkten ein SaaS-Mäntelchen umschwungen haben. Ihre dadurch entstandene konzeptionelle Schwäche versuchen sie dann durch ein, auf den ersten Blick einleuchtendes Argument, zu übertünchen.
Das Argument heisst: On demand beginnen und später jederzeit auf on premise, also in-house wechseln können.
So heisst es zum Beispiel in einem Blogbeitrag von ERP Experten zu diesem Thema: "For instance, if you’re a start-up or small business, an on-demand accounting solution is ideal. You can pay a low monthly fee to license the software, and access it via the internet without having to buy any hardware or software, maintain cash flow. Then, as your business grows and you add users, it may make sense to establish an IT environment, add IT resources to your staff and bring the accounting solution in house."
Der wichtige Teil ist am Schluss des Abschnittes und heisst übersetzt in etwa:"Dann, wenn ihr Geschäft wächst und sie weitere Mitarbeiter haben, die ihre Software nutzen, macht es Sinn, eine eigene IT-Abteilung aufzubauen und IT-Fachleute einzustellen um die on demand Lösung heim zu bringen, in die eigenen vier Wände."
Mit Verlaub, das ist natürlich ziemlicher Schwachsinn. Warum sollte das jemand tun wollen? Stellen sie sich vor, sie beginnen ein Unternehmen oder auch nur eine neue Abteilung aufzubauen und setzen, was heute zum Glück möglich ist, vollständig auf die Cloud. Wie froh werden sie sein, diesen Entscheid so getroffen zu haben, wenn ihr Geschäftsmodell funktioniert und sie wirklich wachsen? Sie können sich vollständig um ihr Business kümmern und werden wohl kaum viel Interesse daran entwickeln eigene IT-Leute einzustellen, oder? Nein, wer einmal ohne IT-Abteilung lebt, wird sich sicher keine Aufbauen wollen.
Und noch ein Wort zu den Menschen, die in IT-Abteilungen arbeiten. Ich komme selber aus dieser Ecke, und ich möchte niemandem zu Nahe treten. Ich gehe auch davon aus, dass jede Unternehmung Fachleute mit viel Know-how im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologien braucht. Allerdings kaum jemand, der sich mit den neuesten Motherboards oder Windows Server Patches auskennt, sondern Leute die zeigen können, wie mit ICT Nutzen gestiftet wird, wie die verschiedenen Systeme in der Cloud zusammen eingesetzt werden können usw. Wer sich jetzt entsprechend weiterentwickelt wird auch in Zukunft viele spannende Arbeit findet, wer nicht, der endet wie die Mainframe Supporter, die den Schritt zum PC Netzwerk nicht gemacht haben. Davon habe ich einige gesehen, war nicht immer ein toller Anblick.